Freitag, den 2.Juni, trafen sich Flüchtlinge und Helfer wie alle 14 Tage zum Begegnungskaffee am evangelischen Gemeindehaus in Wallmerod. Heute war jedoch kein Kaffeetisch gedeckt, sondern wir bildeten Fahrgemeinschaften mit Ziel Boden, Abfallwirtschaftsbetrieb Bellersheim (AWB). Dort wollten wir uns einmal über die aktuelle Situation auf dem Gebiet des Müllrecyclings informieren und unseren Flüchtlingen zeigen, warum es bei uns verschiedenfarbige Tonnen und gelbe Säcke gibt und wir uns mit der Mülltrennung so viel Mühe machen.

Am Eingang der AWB erwartete uns Herr Henn, der freundliche und kompetente Betriebsleiter, der die Gruppe mit 20 Teilnehmern zwischen 5 und 75 Jahren, davon 15 Flüchtlinge, durch die verschiedenen Stationen des Betriebs führte. Günter Neuroth übernahm das Dolmetschen ins Englische, die Flüchtlinge halfen sich untereinander in ihren Landessprachen weiter.

Schon allein die Ausmaße der Transportfahrzeuge und Verarbeitungsmaschinen waren beeindruckend! Wir konnten beobachten, wie ein riesiger 40Tonner mit Sperrmüll und Restabfall entladen und der Inhalt unter Mithilfe eines Schaufelradladers auf den Weg durch die Förder- und Sortieranlage gebracht wurde. Eine Sprinkleranlage verhinderte übermäßige Staubentwicklung. Darüber hinaus erfuhren wir, dass in der AWB Bellersheim , die in den 1970er Jahren die bundesweit erste ihrer Art war, Sperr- und Verpackungsmüll aus ganz RLP, Saarland, südlichem NRW und westlichem Hessen angeliefert und verarbeitet wird. Dabei kommen Maschinen mit Sensoren zum Einsatz, die den Abfall nach Eisen, Alu, Plastik, Folien, Pappe und Papier unterscheiden und trennen.

Im Hof lagerten die riesigen Ballen sortierten und zusammengepressten Materials. Erstaunlich waren nicht nur die Mengen an Abfall, die hier in drei Schichten bearbeitet werden, sondern auch die Informationen über deren Verbleib! Teilweise werden Metalle und Kunststoffe für die Produktion neuer Waren bis nach Fernost und China verschickt (Containerschiffe).

Nur ein Mengenbeispiel: Mit einem Volumen von 60.000 t/Jahr an Stahl- und Metallschrott bedient die AWB ein Netzwerk von Verwertern, wie Gießereien, Eisen- und Stahlindustrie, wo das sortierte und recycelte Material neu verarbeitet wird.

Der kompostierbare Müll – braune Tonne – wird keimfrei behandelt, zu guter Erde vermahlen und in die Landwirtschaft zurückgeführt , bzw. in Gärbehältern zur Gewinnung von Biogas und Strom dem eigenen Betrieb in Form von Energie wieder zugeführt. Dabei kann über den Bedarf der Firma hinaus noch Strom in das öffentliche Netz abgegeben werden.

Die Recyclingindustrie in Deutschland und Europa hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, so dass immer mehr Müllbestandteile neuer Verwertung zugeführt werden können. Wir haben gelernt, was mit dem Inhalt der verschiedenen Mülltonnen und Säcke geschieht, und dass Mülltrennung sich lohnt und Teil der Globalisierung ist. Nicht zuletzt wurde der AWB auch als Arbeitsplatz vorgestellt, wo derzeit 100 Beschäftigte in drei Schichten und aus drei Kontinenten arbeiten.

bellersheim 2017

Verf.: Dagmar Zitzmann